Alles für einen

Interessenkonflikte, Intransparenz und Millionen Euro an Steuergeld. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hat ein System geschaffen, das dem Verband und letztlich auch ihm selbst dient.

Aufmacherbild: Johann Groder / EXPA / picturedesk.com

Hinterstoder hat Glück. Am Samstag, dem 29. Februar 2020, macht der alpine Weltcupzirkus in der Gemeinde Station. »Dem Besucher erwartet am Weltcup-Wochenende wieder ein Top Angebot«, heißt es in holprigem Deutsch auf der Website der Veranstalter. Ein Super-G und eine Alpine Kombination der Herren stehen auf dem Programm. Zum Angebot gehört in diesem Winter erstmals ein neues Hotel, das Alprima: 330 Betten warten auf die Gäste. Für das Weltcupwochenende ist es längst ausgebucht. Rennläufer, Betreuer und Touristen nächtigen hier. Das Wintermärchen Weltcup bringt Geld ins Tal, macht Werbung für den Ort – und das Beste: Noch bevor sich der erste Rennläufer aus dem Starthaus katapultiert, steht ein Österreicher bereits als Sieger fest: der mächtigste Mann im Skisport, Peter Schröcksnadel, 78 Jahre alt, Entrepreneur, Selfmade-Millionär, Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), Miteigentümer des Hotels Alprima.

Es ist wohl kein Zufall, dass der Skiweltcup just in dieser Saison in Hinterstoder Halt macht. Gemeinsam mit den Präsidenten der ÖSV-Landesverbände legt Schröcksnadel fest, wo in Österreich Skirennen ausgetragen werden. Seit er die Funktion des ÖSV-Präsidenten innehat, herrscht beim ÖSV ein System, das dem Verband viel Geld eingebracht und seine Skirennläufer über Jahre zur weltbesten Mannschaft gemacht hat. Wie Hinterstoder zeigt, ist es aber auch ein System, das letztlich ihm selbst dient. Es ist eine Welt, die von öffentlichen Förderungen in Millionenhöhe lebt, und in der Compliance und Transparenz Fremdwörter sind: sei es bei der Gebarung des ÖSV, den Liftgeschäften oder den privaten Unternehmen des Präsidenten. Schröcksnadel ist der Präsident der Interessenkonflikte.

Diese beginnen in Österreichs kompliziertem Sportfördersystem, in dem der ÖSV-Präsident als Funktionär der Bundessport GmbH über die Verteilung von 120 Millionen Euro Subventionen mitentscheidet, die zum Teil auch an den ÖSV fließen. Der ÖSV ist hinter dem Österreichischen Fußballbund (ÖFB) mit rund vier Millionen Euro der zweitgrößte Fachverband, der Subventionen erhält. Gleichzeitig dient Schröcksnadel dem Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC), das den ÖSV ebenso fördert, als Vizepräsident. Schröcks­nadels Firmen machen mit Kunden des ÖSV Geschäfte – und umgekehrt. Beim Skiverband störte das bisher niemanden. Kein Wunder, das Geld fließt, und: Mit Peter Schröcks­nadel legt man sich besser nicht an, denn Schröcksnadel »ist« der ÖSV. 

In den 1970er-Jahren stieg er als Referent für den allgemeinen Skilauf, die Amateurabteilung, ein. Schon damals verkaufte »Schröcksi« mit seiner Firma Panoramatafeln in Skigebieten. Er hatte einem Schweizer Werbefachmann ein Warnsystem für Skifahrer in Gestalt von zweifärbigen Kugeln abgekauft: Die grüne Seite signalisierte die sichere Piste, die rote Seite das offene, ungesicherte Gelände. Schröcks­nadel bot den Lift­kaisern die Kugeln im Tausch für Werbeflächen an Liften und in den Orten an.

Der Umsatz seiner Firma Sitour (kurz für Signalisation Touristik) stieg und stieg, und parallel dazu Schröcks­nadels Ansehen im ÖSV. 1990 überredete der damalige ÖSV-Präsident Arnold Koller die Landesverbandspräsidenten, Schröcks­nadel zu seinem Nachfolger zu wählen. Im DOSSIER-Interview blickte Koller 2018 kritisch auf seine Entscheidung zurück: »Schröcksnadel hat schon damals stark auf sich geschaut, darum haben mir viele von ihm abgeraten. Im Nachhinein muss ich sagen, ich würde ihn nicht mehr nehmen.«

Ein Berg als Cashcow. Hinterstoder illustriert Schröcksnadels System: Der Präsident verdient mit Wetterkameras am Gipfel, Werbeflächen im Skigebiet, den Seilbahnen und seinem Hotel im Tal (Satellitenbild: Google Earth)

Schröcksis Marketingmaschinen

Der Marketingprofi Schröcksnadel erkennt 1990 das Werbepotenzial im Skisport und verwandelt den ÖSV in eine Marketingmaschine. Dazu muss er zunächst die Macht der Werbeagenturen brechen, die damals noch die Vermarktung der Weltcupevents besorgen. Schröcks­nadel stützt sich auf das Regulativ des Internationalen Skiverbandes (FIS), das die Rechte an Weltcupveranstaltungen allein dem jeweiligen nationalen Skiverband als Monopol zuerkennt. Er zwingt die Skiklubs, die Vermarktungsverträge direkt mit dem ÖSV abzuschließen, und drängt die Werbeagenturen aus dem Geschäft. Eine Agentur klagt den ÖSV.

Der Rechtsstreit geht bis zum Obersten Gerichtshof. Der fällt 1994 ein Urteil, in dem er das Monopol des ÖSV anerkennt und ihm die uneingeschränkte Marketinghoheit für alle FIS-Veranstaltungen in Österreich zuerkennt. Schröcksnadels Macht über die Werberechte wird ein Schlüssel zum überlegenen Budget des ÖSV – und ist seinem persönlichen wirtschaftlichen Erfolg nicht abträglich, wie die Auswahl an Firmen zeigt, die laut ÖSV-Website, Sportler-Onlineauftritten und Sitour-Mediakit 2018 zwei- bis dreigleisig buchen: A1, Audi, Uniqa, Manner, Gösser/Brau Union, OMV, Kronen Zeitung, Eisbär, Teekanne, Falke, Rauch und Schöffel. Egal ob auf der Piste, auf den Helmen oder auf Rennanzügen der Athletinnen und Athleten, um Schröcks­nadel kommen wenige herum. 

Die Firmen kaufen Werbeflächen bei ÖSV-Events, buchen Spots beim ÖSV-Partner ORF und Inserate beim ÖSV-Partner Kronen Zeitung, und dieselben Firmen sind auch Sitour-Kunden. Ihre Werbung hängt auf Plakattafeln des ÖSV-Präsidenten in fast jedem heimischen Skigebiet und über Österreichs Grenzen hinaus. Schröcksnadels Firma brüstet sich auf ihrer Homepage, die Nummer eins im Marketinggeschäft in Skigebieten zu sein: »1.000 Skiorte in sieben Ländern«. Ein Reich, in dem die Werbung niemals untergeht. Sitour gibt an, allein in Österreich rund 500 Millionen Kunden mit 60.000 Werbeflächen zu erreichen.

Der Clou: Wenn Schröcksnadel als ÖSV-Präsident mit den Werbekunden des Verbandes Verträge verhandelt, sitzt er als Eigentümer der Marketingfirma Sitour am Tisch; wenn er mit dem ORF über exklusive Übertragungsrechte für Skirennen dealt, entkommt er wiederum seiner Rolle als Eigentümer der Firma Feratel nicht; diese unterhält Geschäftsbeziehungen mit dem ORF und liefert »faszinierende und informative Wetterdaten an Fernsehstationen in ganz Europa«, wie es auf der Website heißt. Die Kameras entwickelte der Salzburger Ingenieur Johann Hlebayna. Als Hlebayna mit seiner Firma vor der Pleite steht, springt Schröcks­nadel ein. »Er hat mir die Ehre genommen, weil er behauptet, er habe die Kameras erfunden«, sagt Hlebayna zu DOSSIER.

Vom Kleinen ins Große. An den Geschäftsfeldern des ÖSV-Präsidenten führt fast kein Weg vorbei: kaum ein Gipfel ohne sein Wetterauge, kaum eine Piste ohne seine Plakatwände (Satellitenbild: Google Earth)

System mit Interessenkonflikten

Eine Konzentration an Interessenkonflikten wie bei Schröcksnadel wäre anderswo unvorstellbar, wie eine Antwort des norwegischen Skiverbandes auf DOSSIER-Anfrage zeigt: Präsident Erik Røste sei in »keinerlei Verbindung mit kommerziellen Betrieben, die Geschäfte mit Skisport oder dem Verband machen«. Die Ethikregeln seien in dieser Hinsicht sehr klar.

Schröcksnadels Reich umfasst indes neben Wetterkameras und Werbetafeln auch noch Skigebiete. Der ÖSV-Präsident ist über seine Firmen auch direkt an Liftgesellschaften beteiligt: im Weltcuport Hinterstoder etwa, der Wurzer­alm, in Heiligenblut, am Ötscher, am Hochkar, in Hochficht, Hochkössen und Kasberg. Dazu kommen Seilbahnen in der Schweiz. Schröcksnadels Firmenkonglomerat setzt dem Vernehmen nach zweistellige Millionenbeträge im Jahr um, er selbst schweigt dazu.

»Alle Versuche, Peter Schröcksnadel durch angebliche wirtschaftliche Verflechtungen zwischen seiner Ehrenfunktion als Präsident des Österreichischen Skiverbands und seinem privatwirtschaftlichen Engagement einen sich daraus ergebenden persönlichen Profit abzuleiten, gehen ins Leere«, schreibt PR-Beraterin Heidi Glück im Auftrag des ÖSV-Präsidenten. Es sei falsch zu behaupten, dass Schröcks­nadel aus seinen Funktionen persönliche Vorteile schöpfe, da er für seine Arbeit für den ÖSV weder ein Gehalt noch eine Aufwandsentschädigung beziehe. Fazit: »Es gibt keine unlauteren Vorteile für Peter Schröcksnadel«, alles andere sei konstruiert.  

Der Geschäftserfolg seiner Firmen wäre ohne Schröcksnadels Schlüsselstellung als Präsident des einflussreichen und werbestarken Skiverbandes wohl nicht so leicht möglich gewesen. Aus seiner Funktion als ÖSV-Präsident ergeben sich gute und regelmäßige Kontakte zu Politikern, die sich gerne mit Österreichs Skistars ablichten lassen. Zudem stützen ausgiebige Förderungen durch Bund, Länder und Kommunen Schröcksnadels Geschäftsmodell, sei es nun beim ÖSV oder bei Projekten seiner Firmen. Millionen Euro an Steuergeld fließen in seine Richtung, trotzdem verwehrt Schröcks­nadel den Einblick in die Bücher des ÖSV. Das halten Konkurrenten des Skiverbandes anders. Der deutsche, norwegische, Schweizer und US-amerikanische Skiverband werden jeweils mit viel weniger Steuermitteln subventioniert als der ÖSV. Alle aber legen Jahresberichte vor.

Es gibt einen weiteren Grund, um genauer hinzuschauen. Eine externe Firma, die Crowe Süd-Ost-Treuhand (SOT) Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Klagenfurt, erledigt die Wirtschaftsprüfung des ÖSV. Klingt gut. Doch die SOT gehört mehrheitlich Anton Schmidl. Schmidl und Schröcksnadel gehören wiederum je 50 Prozent der GBT Ski-Holding in Heiligenblut. Die Holding besitzt zwei weitere Tochterfirmen. Ihre Manager: Anton Schmidl und Markus Schröcksnadel, Peters Sohn.

Nun hat ein großer Verein wie der ÖSV einen Abschlussprüfer zu bestellen, der laut Vereinsgesetz analog zu Vorschriften für Unternehmen »unabhängig und unbefangen« sein muss. Um den Verdacht der Befangenheit zu begründen, »genügt der Anschein der Voreingenommenheit oder die Besorgnis, dass bei Ausübung der Tätigkeit andere als rein sachliche Überlegungen eine Rolle spielen könnten«, wie das Berufsrecht der Wirtschaftsprüfer festhält. Ein Wirtschaftsprüfer dürfe eine Prüfung nicht durchführen, wenn insbesondere Beziehungen geschäftlicher, finanzieller oder persönlicher Art vorlägen, nach denen die Besorgnis der Befangenheit bestünde.

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Für ÖSV-Wirtschaftsprüfer Anton Schmidl ist trotz der Geschäfte mit Schröcksnadel alles paletti. »Wir halten ausdrücklich fest, dass von unserer Gesellschaft sämtliche Unabhängigkeitsvorschriften (...) stets geprüft und bei allen unseren Mandaten selbstverständlich eingehalten werden«, schreibt Schmidl auf DOSSIER-Anfrage. Aus der Beteiligung an besagter Holding würden »mangels gemeinsamer operativer Verknüpfung oder Abhängigkeit keine Unvereinbarkeiten« entstehen. Jedwede publizierte Unterstellung, Behauptung oder Vermutung, die darauf abziele, »wir würden nicht rechtlich oder ethisch regelkonform agieren«, werde rechtlich verfolgt.

Sie zahlen, der ÖSV profitiert

Viele Unternehmungen Schröcksnadels wären ohne willfährige Politiker unmöglich. Das Muster ist stets ähnlich: Die öffentliche Hand zahlt, der ÖSV oder Schröcks­nadels eigene Betriebe profitieren. Die Zuschüsse des Landes Oberösterreich für Schröcksnadels Hinterstoder-Wurzer­alm-Bergbahnen etwa belaufen sich seit 2013 auf rund 4,7 Millionen Euro.

Auch für Skirennen fließen regelmäßig öffentliche Mittel von Kommunen und Ländern. Die Rennen veranstalten die jeweiligen Skiklubs, im Fall von Hinterstoder der USC Raiffeisen Hinterstoder, im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem ÖSV. Der ÖSV erhält einen Teil der Einnahmen. Für die bisher letzten Weltcuprennen in Hinterstoder im Jahr 2016 überwies die Gemeinde dem Skiklub exakt 39.299 Euro. Dazu kam eine Förderung für das »Projekt Alpiner Skiweltcup 2016 – ÖSV-Regionalpaket«: Neun umliegende Gemeinden schossen dabei je 24.444, insgesamt rund 220.000 Euro zu. Was im Kleinen funktioniert, geht auch im Großen.

Zur Alpinen Ski-WM 2013 in Schladming steuerte die Steiermark rund 62 Millionen für »WM-relevante Vorhaben« bei, der Bund rund 24 Millionen Euro. Der Rechnungshof kritisierte Abrechnung und Kontrolle der öffentlichen Investitionen rund um die WM. Beispielsweise seien Subventionen für Vorhaben abgerechnet worden, die bereits aus dem 37 Millionen Euro schweren FIS-Topf bezahlt worden waren. Es geht auch billiger, das zeigt Bayern: Vor der Alpinen Ski-WM 2011 in Garmisch-­Partenkirchen ließ man neun Millionen Euro für WM-relevante Infrastruktur springen. Ein Siebentel des steirischen Zuschusses.

Der Deutsche Skiverband stellte die Geldflüsse außerdem transparent dar. Der ÖSV hat bis heute keine Abschlussrechnung der WM 2013 gelegt. Stattdessen hatte man den Fördergebern Verträge mit geschwärzten Stellen vorgelegt, was die Prüfer des Rechnungshofes (RH) später bemängelten. Mit der Intransparenz gingen Kostensteigerungen in Millionenhöhe einher, und der ÖSV bekam eine WM nach Wunsch. Der Verband war dabei Nutznießer von Projekten, die in der ursprünglichen Planung gar nicht vorgesehen waren.

Etwa des Skygates, eines VIP-Bereichs, für den der ÖSV »umfangreiche Nutzungsrechte hinsichtlich der Vermarktung« bekam, ohne dass den Fördergebern ein Nutzen daraus erwachsen war. »Die WM-Relevanz war aus Sicht des Rechnungshofs nicht ausreichend gegeben, um das Bauwerk im Zuge der Sportgroßveranstaltung mit rund 2,12 Millionen Euro zu fördern«, hielten die Prüfer fest. Kurzum: Die öffentliche Hand zahlte, der ÖSV profitierte.

Schröcksnadel: eiserne Miene, gute Geschäfte (Foto: JFK / EXPA / picturedesk.com)

Schröcksnadel behauptet gern, der ÖSV sei nicht auf öffentliches Geld angewiesen, um sein kolportiertes jährliches Budget von rund 60 Millionen Euro zu stemmen. Doch das stimmt so nicht.

Neben der Bundessportförderung hatte der ÖSV im Jahr 2018 nach DOSSIER-Recherchen 156 Sportler als Zeitsoldaten, Polizisten oder Zöllner untergebracht. Kosten für die Steuerzahler: 4,1 Millionen Euro. Zusätzlich unterstützen die Länder andere Einrichtungen, die dem Skiverband letztlich zugutekommen.

Tirol ließ sich das Skigymnasium Stams und die Skimittelschule Neustift im Vorjahr mehr als 1,4 Millionen Euro kosten. Auch für die 2019 im Tiroler Seefeld ausgetragene Nordische WM vereinbarten das Land Tirol, die Gemeinde Seefeld und der Bund, die Kosten für WM-relevante Infrastruktur von rund 28 Millionen Euro aufzubringen. Die WM kostete die öffentliche Hand aber 2,7 Millionen mehr. Auch hier fehlt eine Abschlussrechnung bis heute. Zum Vergleich: Für WM-In­frastruktur 2017 in Lahti zahlten die Finnen rund vier Millionen Euro. Der ÖSV fuhr aus Seefeld wie aus Schladming mit einem – für die Öffentlichkeit unbekannten – Gewinn heim. 

Situation der Erpressbarkeit

Auch bei seinen Liftgeschäften versteht es Geschäftsmann Schröcksnadel seit Jahrzehnten, stets mehrere Fliegen auf einmal zu erwischen. 1996 verkaufte ihm die Stadt Innsbruck die Patscherkofelbahn um rund 2,9 Millionen Schilling (heute etwa 310.000 Euro). Er verpflichtete sich, in die Seilbahnen am Innsbrucker Hausberg zu investieren – und tat das auch. Gleichzeitig erhielt er tatkräftige Unterstützung: Der Tourismusverband Innsbruck bezahlte eine Beschneiungsanlage für 85 Millionen Schilling (heute knapp neun Millionen Euro).

1998 schoss man weitere 5,5 Millionen Schilling (rund 580.000 Euro) zu, um die Rennstrecke am Patscherkofel mit modernen Sicherheitseinrichtungen zu versehen. Ähnlich wie in Hinterstoder waren in Innsbruck mit dem ÖSV-Präsidenten Welt- und Europacuprennen auf den Hausberg zurückgekehrt. Zwei Jahre nach Schröcks­nadels Übernahme holte sich Hermann Maier vor acht Österreichern den Super-G-Sieg. Schröcks­nadels Sohn Markus Schröcksnadel führte von 2007 bis 2015 den Skiclub Patscherkofel-Innsbruck, der die Rennen organisierte und Förderungen kassierte. Die Stadt subventionierte unter anderem noch einen Speicherteich am Patscherkofel mit 1,9 Millionen Euro. 2014 kaufte Innsbruck die abgewirtschaftete Patscherkofelbahn um 10,7 Millionen Euro zurück.

Mitte 2018 erklärte Martin Baltes, der für die Lifte zuständige Geschäftsführer, dem Innsbrucker Gemeinderat, man sei »mit Forderungen des ehemaligen Betreibers nach permanenten jährlichen Zuschüssen für die Erhaltung der Pendelbahn konfrontiert« gewesen, stets mit der Ankündigung kombiniert, »wenn keine Zahlung erfolgt, entsteht ein Problem mit dem Weiterbetrieb der Pendelbahn«. Man wollte sich nicht in eine »Situation der Erpressbarkeit bringen lassen«. Denn es könne nicht sein, dass die öffentliche Hand permanent aufgefordert werde, Nachschüsse zu leisten, ohne beim Betrieb mitzureden.

Das ist das Spiel. Schröcksnadel haut auf den Tisch, die öffentliche Hand gibt klein bei und zahlt. Im Februar 2011 war Weltcup in Hinterstoder, damals richtete Schröcksnadel dem einstigen Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) bei einem Empfang aus, Pühringer müsse sich bei der »Wurzeralm-Verbindung gegen die Grünen durchsetzen«. Dann würde er, Schröcksnadel, noch mehr dafür tun, nämlich den Weltcup alle zwei Jahre nach Hinterstoder zu bringen, wie die Oberösterreichischen Nachrichten berichteten. Das Liftprojekt, eine großräumige Verbindung der zwei Skigebiete zugunsten Schröcksnadels, wurde abgesagt, weil es geschützte Naturflächen zerstört hätte. Die Landespolitik hat aber angekündigt, 26 Millionen Euro in das Skigebiet zu investieren.

Der Weltcup kommt 2020 nach Hinterstoder, den Ort mit einer der höchsten Pro-Kopf-Verschuldungen Oberösterreichs. Das Tal ist ein Krisenfall, junge Menschen flüchten, der Winter zieht sich zurück. Der Präsident, seine Lifte, seine Werbeflächen, seine Wetterkameras und sein neues Hotel, das Alprima, in dem ÖSV-Athleten und -Betreuer während des Weltcupwochen­endes nächtigen werden, bleiben.